Wie viel Auslastung braucht mein Hund? 

Muss mein Hund eine Stunde oder länger schnell durch die Gegend rennen, mit mir joggen, Radfahren oder immer wieder einem Ball hinterherjagen, damit er anschließend entspannt und müde ist? Ist das artgerecht?

Ich würde sagen, eher nein. In unserer heutigen, schnelllebigen Welt neigen wir Menschen leider oft dazu, unsere menschlichen Bedürfnisse und Lebensweisen auf unsere vierbeinigen Freunde zu übertragen. Wir selbst verbringen viele Stunden am Tag meistens mit geistiger Arbeit und sehnen uns anschließend nach körperlicher Betätigung, um den mentalen Stress des Tages abzubauen. Doch geht es unseren Hunden genauso? Brauchen sie dieselbe Art von Auspowern, die wir für uns selbst als ideal empfinden?

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Hunde ständig rennen und sich körperlich bis zum Äußersten anstrengen müssen, um glücklich und ausgeglichen zu sein. Studien über das natürliche Verhalten von Straßenhunden zeigen: Sie verbringen den Großteil ihres Tages mit Ruhen, Beobachten und Energiesparen für die Momente, die wirklich zählen – zum Beispiel für die Jagd oder die Verteidigung des eigenen Reviers. Hunde sind also von Natur aus auf ein eher gemäßigtes Bewegungsniveau eingestellt, mit kurzen Phasen intensiver Aktivität.

Körperliche Bewegung: Qualität statt Quantität

Dein Hund benötigt tägliche Bewegung, das steht außer Frage. Doch die Intensität und Dauer dieser Aktivitäten sollten sorgfältig angepasst werden. Ein Husky braucht mehr Auslauf als ein Mops, doch kein Hund braucht non-stop Action. Statt deinen Hund zum dauernden Rennen zu animieren, was nur unnötigen Stress erzeugt, solltest du lieber Aktivitäten wählen, die zu seinem Tempo passen. Ein langer Spaziergang mit viel Zeit zum Schnüffeln, Entdecken und Kumpels treffen, bietet eher die richtige Balance zwischen körperlicher Betätigung, geistiger Anregung und sozialer Interaktion als eine Stunde neben dem Rad zu laufen.

Geistige Auslastung: Das oft vergessene Bedürfnis

Neben der körperlichen Bewegung ist die geistige Stimulation ein entscheidender Faktor für das Wohlbefinden deines Hundes. Der Alltag allein bietet selten genug Herausforderungen, die deinen Hund geistig fordern. Wir arbeiten, er pennt. Wenn wir uns dann körperlich auslasten wollen, können wir dies zusammen mit unserem Hund tun. Das ist ja nicht schlecht, aber bedenke, dass auch der Hund ein Gehirn hat, welches zwischendurch mal beansprucht werden möchte. Wenn du nicht für genügend geistige Auslastung sorgst, dann sucht dein Hund sich selbst eine mentale Herausforderung. Dies kann das Bewachen des Hauses inklusive Bellen, die Kontrolle des Menschen oder Pöbeln an der Leine sein.

Also mein Rat: Such dir ein Hunde-Hobby, das zu dir und deinem Hund passt. Darüber hinaus integriere täglich kleine Denkaufgaben oder Nasenarbeit, um die grauen Zellen deines Vierbeiners zu aktivieren. Das kann z.B. das Verstecken von Leckerlis sein – zuhause oder unterwegs. Übungen der Impulskontrolle fordern Hunde heraus oder aber das Lernen von neuen Tricks. Ein paar Minuten anspruchsvolle Beschäftigung können bereits einen großen Unterschied machen.

Ruhe und Entspannung: Ein Muss für jeden Hund

Was oft unterschätzt wird, ist das Bedürfnis des Hundes nach Ruhe. Ein ausgewachsener Hund benötigt etwa 16–17 Stunden Schlaf pro Tag, Welpen und kranke Hunde sogar noch mehr.

Er schläft also in der Regel doppelt so viel wie wir Menschen. Ständige Action und zu viele neue Eindrücke können deinen Hund überfordern und stressen. Wenn er dir also tagsüber ständig hinterherläuft, bekommt er ein Schlafdefizit. Langfristig ist das ungesund. Gib ihm also ausreichend Gelegenheit, sich zurückzuziehen und zu entspannen.

Fazit: Das richtige Maß finden

Die richtige Auslastung für deinen Hund zu finden, bedeutet, ein Gleichgewicht zwischen körperlicher Aktivität, geistiger Anregung und ausreichend Ruhephasen zu schaffen. Beachte dabei immer die individuellen Bedürfnisse deines Hundes. Wie wir in Köln sagen: "Jeder Jeck ist anders." Beobachte deinen Hund und passe die Aktivitäten entsprechend an. So sorgst du für ein ausgeglichenes und zufriedenes Hundeleben.