Wie lernt mein Hund, allein zu bleiben? 

Meine junge Hündin Skadi ist nun seit etwa 10 Wochen bei uns. Von Anfang an habe ich nicht nur die Grundkommandos, die Leinenführigkeit und ihre Impulskontrolle trainiert, sondern auch eine sichere Bindung zu ihr aufgebaut. Dies ist ein wichtiger erster Schritt für das Alleinbleiben (siehe Artikel: "Wie baue ich eine sichere Bindung auf?").

Neben der sicheren Bindung absolvierte ich vom ersten Tag an regelmäßig das Ruhe- und Ablage-Training: Denn mein Hund sollte mir nicht ständig folgen. Tut er dies, kommt zu viel Unruhe auf und er wird mich schon bald eher kontrollieren. Und wenn ich ihn dann irgendwann allein zu Hause lasse, erlebt er einen Kontrollverlust, was ihn wahrscheinlich sehr stressen wird.

Das Training ist außerdem wichtig, weil ein Hund ein doppelt so hohes Schlafbedürfnis hat wie wir Menschen. Wenn wir im Schnitt 8 Stunden Schlaf benötigen, um gesund und fit zu bleiben, sind es bei deinem Hund ca. 16 Stunden, bei Welpen sogar ca. 20 Stunden. Wenn er dir also ständig hinterherläuft, bekommt er ein Schlafdefizit. Langfristig ist das ungesund. 

Ruhe und Ablagetraining: Wer Raum verwaltet, übernimmt die Führung

Indem du das Ablagetraining absolvierst, verwaltest du den Raum. Damit übernimmst du nicht nur eine wohlwollende Führung, sondern gibst deinem Hund auch die Möglichkeit sich zu entspannen und zu schlafen. Du sagst ihm quasi: "Du kannst schlafen, entspann dich. Ich kümmere mich hier um den Rest."

Beim Ruhe- und Ablagetraining gibst du deinem Hund weder ein Kommando, noch lobst du ihn. Diese Übung funktioniert allein durch körpersprachliche Kommunikation. (Wie das genau funktioniert, kannst du in meinem Workshop "Ruhe und Ablagetraining" lernen. - Termine folgen.)

Bringe deinen Hund an einer Leine auf seinen Platz, blockiere ihn körpersprachlich. Sollte er aufstehen, führe ihn wieder zurück auf den Platz, etc. Er sollte also lernen, auf seinem Platz zu bleiben und dabei die räumliche Distanz zu dir zu akzeptieren. Eine Box oder kurzes Anleinen kann hilfreich sein. Bei den ersten Trainingseinheiten bleibst du zunächst direkt vor ihm stehen. Als nächstes setze dich vielleicht nicht weit von seinem Platz auf einen Stuhl oder Sofa. Baue nach und nach Distanz auf, ohne dass du den Raum verlässt. Kalkuliere am Anfang ein, dass du ihn immer wieder korrigieren musst. Bleib dabei ruhig und konsequent.

Wenn er dies beherrscht, beginnst du als nächstes, dich im Raum zu bewegen, ohne dass dein Hund seinen Platz verlässt. Er läuft nicht hinter dir her, er liegt nur auf seinem Platz. 


Stalking nicht erlaubt

Die neueste Forschung hebt die Bedeutung der Unabhängigkeit deines Hundes hervor. Ein Hund, der dir ständig hinterherläuft, kann sich gestresst fühlen. Sorge also für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Nähe, Distanz und damit auch Unabhängigkeit.

Kontrollverlust vermeiden

Es ist entscheidend, deinem Hund beizubringen, dass er nicht ständig kontrollieren muss, was du tust. Eine gute Bindung, die du in den ersten Schritten aufgebaut hast, hilft ihm, sich sicherer zu fühlen, wenn du nicht da sein wirst. Wenn du ihm zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle übergibst, kann er diese auch nicht verlieren.

Alleinbleiben langsam aufbauen

Erst wenn dein Hund das entspannte Liegenbleiben auf seinem Platz beherrscht, ist der Zeitpunkt gekommen, dass du mit dem tatsächlichen Alleinbleiben-Training beginnst. Starte mit kurzen Abwesenheitsphasen und steigere sie allmählich. Studien haben gezeigt, dass ein schrittweises Training die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass dein Hund das Alleinbleiben akzeptiert. Du verlässt kurz den Raum und kommst nach wenigen Sekunden zurück. Geh ruhig – mehrmals raus und wieder rein. Dann kommt der nächste Schritt, dass du kurz das Haus verlässt und direkt wieder hereinkommst. Raus / Rein. Es sollte fast langweilig für deinen Hund sein, denn er erkennt bereits, dass du zwar weggehst, aber stets wiederkehrst. Wenn dein Hund während deiner Abwesenheit entspannt bleibt, kannst du draußen auch schon kleine Erledigungen machen, wie Briefkasten leeren, Müll wegbringen oder etwas aus dem Auto holen, etc. 

Entspannte Abschiede und Ankünfte

Natürlich muss dein Hund nicht immer, wenn ihr übt, auf seinem Platz liegen. Etabliere gerne ein Signal, welches ankündigt, dass du gehst und er hier bleibt. Es könnte ein "Du bleibst hier" sein. Aber fast noch wichtiger ist, dass du ruhig und entspannt bleibst.

Studien legen nahe, dass Hunde auf die Stimmung ihrer Besitzer reagieren. Wenn du aufgeregt oder besorgt wirkst, kann sich dies auf deinen Hund auswirken. Versuche, Abschiede und Ankünfte möglichst unspektakulär zu gestalten, um Ängste und Spannungen zu minimieren. (Siehe auch meinen Artikel: "Darf ich meinen Hund begrüßen, wenn ich nach Hause komme?") 


Fazit: 

Nimm dir Zeit. Mit Geduld und Konsequenz wird dein Hund lernen, entspannt allein zu bleiben, während du das Vertrauen zwischen euch stärkst. Bei Skadi hat es etwa 2 Monate gedauert, bis ich sie zum ersten Mal für etwa 1 Stunde allein gelassen habe. Aber bedenke, jeder Hund ist anders. Solltest du Unterstützung brauchen, melde dich gerne bei mir. Viel Erfolg bei deinem Training!